Von der Kirche zur Stadtteilkultur

 

Was geschah mit der Interimskirche, nachdem die Landeshauptstadt München das Haus von der evangelischen Kirchengemeinde erworben hat, um es wegen der damals geplanten Verbreiterung der Agnes-Bernauer-Straße abzureißen?

Solange die Ausführung der Straßenbaumaßnahme noch in weiter Ferne lag, stand der Nutzung des Gebäudes nichts im Wege. Deshalb konnte der Saal zur Tischtennishalle umfunktioniert werden. Der vorgesehene Straßenbau wurde immer weiter hinausgeschoben, bis die Kommunalpolitiker dieses Vorhaben endgültig aufgaben. So kam es dazu, dass die ehemalige Kirche den Tischtennisspielern 25 Jahre zur Verfügung stand. Da jahrzehntelang notwendige Sanierungsarbeiten unterlassen wurden, war das Haus sehr heruntergekommen, so dass viele Stadtteilbewohner forderten, diesen »Schandfleck« zu entfernen.

Um das vom Abriss bedrohte Gebäude zu retten, welches ein wesentlicher Bestandteil des alten Ortskerns von Laim ist, entstand die Idee, eine für alle Bürger offene Begegnungsstätte zu etablieren und dadurch das bestehende sozio-kulturelle Defizit im Stadtteil abzudecken. Für die Realisierung dieses Einfalls haben sich Mitglieder des Vereins Bürgertreff Laim eingesetzt. Nach jahrelangem Kampf-viele Hindernisse mussten beseitigt werden-konnten wir im Oktober 1989 die ersten Veranstaltungen anbieten. Obwohl das INTERIM, bei der Namensgebung sollte der Bezug zur Historie (Interimskirche) bewahrt bleiben, als Veranstaltungsort noch völlig unbekannt war, wurde es trotz des provisorischen Zustandes von den Bürgern sofort angenommen. Vor allem wegen der besonderen Atmosphäre und der hervorragenden Akustik, die durch das hölzerne Tonnengewölbe entsteht.

Dank der Unterstützung der Stadt wurde die Sanierung des denkmalgeschützten Hauses in die Wege geleitet. Im Sommer 1998 begannen die Arbeiten durch das Baureferat; dabei wurden u.a. Fundamente trockengelegt, Fenster saniert, Dach und Putz erneuert. Auch hier beteiligten sich die Vereinsmitglieder mit ehrenamtlicher Arbeit. lm Vorjahr ließ die Stadt und die Landesdenkmalsschutzbehörde die bemalte Holzdecke des ehemaligen Kirchenraumes restaurieren.

Das Anliegen unseres Vereins ist, das INTERIM als nicht kommerziellen Ort für Kleinkunst-, Theater-, Musik-, Kabarett- und bürgerschaftliche Veranstaltungen zur Verfügung zu stellen. Zudem wird es auch als Ausstellungs- und Probenraum genutzt. Wir organisieren im Jahr ca. 8o Veranstaltungen, 15oo Probenstunden und 12 Kunstausstellungen. Nach 14 Jahren können wir feststellen, dass sich unser Projekt in Laim etabliert hat und sehr erfolgreich ist. Wir freuen uns, dass es gelungen ist, dieses für den Stadtteil bedeutungsvolle historische Gebäude zu erhalten und die Nutzung des Anwesens im Sinne des Miteinanders fortzusetzen.